Der Messe-Kater bei mir verschwindet langsam wieder und der Alltag kehrt zurück – Was bleibt sind viele Überlegungen, Fragestellungen, Impulse, die die Weltleitmesse WindEnergy Hamburg mit sich brachte, bzw. in mir hervorgerufen hat.
Vom 22. bis zum 25. September hat die On- und Offshore Windindustrie ihr Engagement für die Transformation bekräftigt. Über 40.000 TeilnehmerInnen aus über 100 Ländern besuchten das Gelände der Hamburg Messe und Congress, mehr als 1.600 ausstellende Unternehmen aus rund 40 Ländern präsentierten sich in Hamburg. Hiervon auch eine Vielzahl an Unternehmen aus der Offshore Windindustrie mit einem wachsenden Anteil von Unternehmen außerhalb Europas.
Die Stimmung war bedingt durch das Wiedersehen untereinander einerseits herausragend gut und auf der anderen Seite geprägt durch die aktuellen regulatorischen Diskussionen auf EU-Ebene und auf nationalen Ebenen eher verhalten und in Teilen pessimistisch.
Zunächst zum positiven Teil: Es ist mehr als erfreulich und beeindruckend zu sehen, wie gut sich die Offshore Wind Wertschöpfungskette aufgestellt hat. Wie eng die Akteure in Europa bereits vernetzt sind und wie viel Knowhow und Innovationen sich entwickeln konnten. Europa hat eine starke Offshore Wind Wertschöpfung trotz aller Herausforderungen.

Weniger positiv: Aktuell hängen allein in Deutschland 16 Gigawatt Ausbauvolumen in der Luft. Die Umsetzung dieser Projekte in der deutschen Nord- und Ostsee ist für viele Unternehmen sehr relevant. Eine einfache Projektrückgabe kann den Prozess der Auftragsvergabe maßgeblich verzögern. Wo hinkt die Umsetzung? Diese Frage ist wichtig für das weitere Wachstum der Europäischen Offshore Wind Wertschöpfungskette.
Mit dem neuen Windenergie-auf-See-Gesetz sind rund 20 Gigawatt ursprünglich fixiertes Ausbauvolumen in Frage gestellt und soll mit internationalen Projekten kompensiert werden. Die Flächenplanung ist auch in diesem Fall maßgeblich, wie auch die 16 GW betreffend. Zu wenig Volllaststunden und zu wenig Flächen mit erforderlichen Volllaststunden, um den Kraftwerkseigenschaften der Offshore-Windkraft gerecht zu werden. Ist es wirklich Platzmangel oder ein Planungsdefizit, wobei die im öffentlichen Interesse liegende Offshore-Windenergie hinter anderen Nutzungsinteressen zurückgestellt wird.
Die Diskussion um PPAs und CfDs, wobei mittlerweile sogar nur indexierte CfDs gefordert werden, was für die Finanzierung auf Grund des aktuellen Strommarktes vielleicht wirklich realistischer ist. Aber wo liegt der Fehler, mit Blick auf die Elektrifizierung. Ein nachhaltiges Energieversorgungssystem benötigt die mit 70 Gigawatt veranschlagte Menge Offshore-Windenergie auch aus der Perspektive eines stabilen Stromnetzes und sowieso im Hinblick auf die Produktion von grünem Wasserstoff.
PPAs sind beispielsweise für den erforderlichen Leitmarkt Stahl-Offshore-Wind unerlässlich und aktuell, wie an dem gerade eingeweihten OWP He Dreiht gut erkennbar, auch gefragt. Stahl für Transformatoren hat gerade eine zusätzliche Sicherheit auf EU-Ebene erreichen können. Stahl für Gründungen ist immer noch deutlich zu schwach (ETS / CBAM) gegen unfairen Wettbewerb außerhalb Europas geschützt. Oder sollte tatsächlich nur das „Local Content“-Modell in Polen einen stabilen Markt schaffen?
Die Ausstelleranzahl außerhalb Europas hat sich auf dieser WindEnergy für mein Gefühl stark vermehrt. Envision Energy aus China beispielsweise stellte ein 16+ MW-Modell vor, welches für den Europäischen Markt konzipiert wurde. Dajin liefert TPs für den Nearshore-Ostsee-Park Gennaker (rd. 1 GW). Gleichzeitig arbeitet die EU mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) und dem Net Zero Industry Act weiter an der Stärkung der industriellen Resilienz innerhalb der Europäischen Union. Die Investitionen der Zulieferindustrie sind bereits heute schon sehr hoch und durch ein fehlendes Level-Playing-Field stark gefährdet.
DNV leitete und präsentierte auf der WindEnergy das JIP (Joint Industry Project) gemeinsam mit acht Unternehmen aus der gesamten europäischen Offshore-Windkraft-Lieferkette, um steigende Projektkosten, uneinheitliche Auktionsergebnisse und stockende Entwicklungsprojekte anzugehen. „Industrialization and standardization in North Sea offshore wind“ machte deutlich, wie hoch das Kostensenkungspotenzial bei einer stabilen Auslastung der EU-Wertschöpfungskette ist.
Und hier sind wir wieder bei den in der Luft hängenden 16 Gigawatt, bezuschlagt 2022 und 2023. Die Lieferkette kann nicht auf eine Neu-Vergabe warten. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden. Darüber hinaus ist es für mich nur schwer vorstellbar, dass diese Flächen mit dem zu erwartenden Kapazitätsfaktor und der teilweise unklaren Verfügbarkeit eines Netzanschlusses schnell einen neuen Entwickler finden würden. Klärende Abstimmung scheint mir hier naheliegender. Ach ja, und Standardisierung heißt nicht Entwicklungspause oder bedeutet das Einfrieren von bewährten 15 MW-Plattformen. Es bedeutet ganz nebenbei Cybersicherheit und voranschreitende Industrialisierung, sowie die Beschleunigung der Elektrifizierung. Die Weiterentwicklung der Offshore-Windenergie wird auch mit Kosteneffizienz voranschreiten. Kosteneffizienz bedeutet nicht die Reduzierung von Netzanschlüssen, es sei denn, sie werden mit Pipelines kompensiert.
Und wenn diese 16 Gigawatt Europäisch gebaut werden können, braucht es im nächsten Jahr definitiv die Messe-Plattform HUSUM WIND im Herbst. Geplant ist neben dem Windwanderer-Festival und weiteren maritimen Höhepunkten, ein 2-tägiges Offshore Windforum. Einige Offshore Windunternehmen haben bereits Interesse als Aussteller angemeldet. Ich war mit dem Team der HUSUM Wind bereits bei einigen Offshore-Windunternehmen vorstellig. Wir wurden herzlich empfangen und die Messe ist eben keine reine Onshore-Windmesse sondern eine nationale, europäische Windmesse: Vor Anker in Husum.
Zusätzlich werden Konferenzformate erforderlich sein, um im deutschen Offshore Windmarkt auch im Hinblick auf den Leitmarkt Stahl-Offshore Wind weiterzukommen.
Die Zukunft der Offshore-Windindustrie liegt aus der deutschen Offshore Wind Perspektive meiner Meinung nach in Europa, um die Zukunftstechnologie zu sichern und ausbauen zu können; es braucht den Europäischen Markt auch, um für die Onshore-Windenergie Arbeitsplätze und Wertschöpfung allgemein wachsen sehen zu können. Die Windenergie an Land steht aktuell in Deutschland mit dem neuen EEG und Netzpaket ebenfalls vor großen Herausforderungen. Das wurde durch die Protestaktion der IG Metall Küste und Aktion Wind gegen geplante Verschlechterungen beim Windkraftausbau deutlich. Der Lichtblick in beiden regulatorischen Entwicklungen sind die Resilienz Ausschreibungen, die in Richtung Stärkung der Europäischen Wertschöpfung gehen.
Wenn die Bundeswirtschaftsministerin bei der Einweihung von Borkum Riffgrund 3 in der Messewoche bereits erkannt hat, dass ein OWP nachhaltig die Leistung eines konventionellen Kraftwerks bietet und das im industriellen Maßstab und einen wichtigen Faktor für die Industrie darstellt, sollte der Ausbau der Offshore Windkraft nicht durch fehlenden Austausch mit den entscheidenden Unternehmen oder mit der aktuell noch schwachen WindSeeG-Novelle belastet werden. Wirtschaftsbündnisse fordern darüber hinaus EU-weit grünen Wasserstoff zu ermöglichen, auch in heimischer Produktion. Das ist für ein stabiles, nachhaltiges Energieversorgungsystem unerlässlich und kann nicht allein durch überdimensionierte Flexibilitätskosten aufgegangen werden.
Ein Beleg für die derzeit noch starke Wertschöpfungskette Wind sind nicht zuletzt die zahlreichen Frauennetzwerke, die entstanden sind und alle Windfrauen auf ihre Weise auf der WindEnergy 2026 willkommen hießen. Wir mEErFrauen waren sehr dankbar, dass wir mit Unterstützung der Hamburg Messe und Congress WindEnergy und des Messedirektors Andreas Arnheim und Julia Glawe Frauen aus der Onshore- und Offshore Windindustrie zum gemeinsamen mEErFrauen-Lunch im Gästeclub einladen konnten.

Soweit erstmal ein paar Gedanken zur Weltleitmesse WindEnergy mit einem Ausblick auf die nächste europäische Windmesse in Deutschland.
Mit der Wind & Welle News haben wir gerne über die WindEnergy Hamburg für die Offshore-Wind-Leser:Innen von vor Ort berichtet.
Ich habe mich sehr gefreut so viele spannende Unternehmen auf der Messewoche besuchen zu dürfen und so viele alte und neue KollegInnen treffen zu können.
Moin Hamburg – Herzlichen Dank WindEnergy Hamburg – Das hat wirklich Spaß gemacht!